Umbiegung von R1 Gleisen zu R2'

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linienbussi
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Umbiegung von R1 Gleisen zu R2'

Beitragvon linienbussi » 02.09.2017, 14:40

Vor einigen Monaten kehrte ich nach Jahren wieder zu meiner LGB zurück, die ich schon seit Kinderzeiten besaß. Dabei fasziniert mich bis heute ihre Eigenschaft, sie individuell und immer anders aufbauen zu können. So besuchte mich Mitte des Jahres ein Freund mit der erklärten Absicht die Bahn aufbauen zu wollen.

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Ich nutze die Gelegenheit meinen Bestand zu erweitern und erkannte beim Aufbau, wo es etwas zu verbessern galt. Hierzu zählten auch die Gleise. Ich hatte zwar ausreichend aufgestockt bemerkte jedoch, das sich der R1-Radius nicht für alle Modelle gleichermaßen gut eignet. Für kleinere Loks und Wagen ist dieser Radius absolut ausreichend. Sobald sie aber mehrachsig werden ist ein größerer Radius die bessere Wahl.

Der Angebotsmarkt für gebrauchte Gleise ist zwar groß; gross ist aber auch der Preisspanne. Daher kam der Gebrauchtkauf des von mir favorisierten R2-Radius, von denen ich schon einige besaß, nur zähneknirschend in Frage.

Beim Stöbern im Netz stieß ich dann auf einen LGB-Freund, der Gerade benötigte und sie sich aus alten R1-Kurven zurecht bog. Die Handbiegemethode mit anschließendem nachbiegen im Schraubstock ist zwar die preiswerteste Methode, das Ergebnis aber höchstens ausreichend. Aber sie brachte mich dazu, das Gleisbiegen ebenfalls zu versuchen.
Bei weiteren Recherchen zu diesem Thema stieß ich im Netz auf zwei Möglichkeiten Gleise zu biegen: ein Gleisbiegegerät, das jedoch über 200 Euro kosten würde oder ein Eigenbau.
Angeregt durch einen Freund baute ich mir daher mit seiner Hilfe und Erfahrung ein Gleisbiegegerät. Als Grundlage nahm ich mir das Schraubstockmuster von Holger Gatz. Aus Erfahrung riet mir mein Freund die Konstruktion stabiler auszuführen, damit der benötigte Druck auf die Profile gleichmäßig, stabil und hoch sein konnte.

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Nicht bewährt hat sich der Versuch Profile von Hand zu biegen, da sie zu ungleichmäßig werden. Für eine vorbildgerechte Darstellung sehr benutzter Gleise ist diese Methode jedoch durchaus geeignet. Wie sich später herausstellte, muss das Schwellenbett nicht mehrfach eingeschnitten werden.


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Das Schwellenbetten schrumpfen (können) zeigt dieses Bild. Werksseitig sind im allgemeinen Schwellenbett und Profilfuss gleich breit. Die Bohrmarkierung ist genau in der Mitte, trifft aber nicht die Mitte des Profils.

Ich besorgte mir daher einen Maschinenschraubstock, bestellte Standardkugellager M6- das Maß sahen wir beide als ausreichend an- sowie hochwertige Bohrer (sonst wird das Bohren ziemlich quälend) und Gewindeschneider für M6.
Die werksseitig aufgebrachten Spannbacken erwiesen sich beim ersten Bohrversuch als deutlich zu schmal. Daher tauschte ich sie gegen 10mm starke aus. Ursprünglich wollte ich wegen der Leichtigkeit der Bohrung Aluminiumflacheisen 12mm verwenden. Die sind jedoch (auch in geringerer Dicke) nicht so einfach zu bekommen. Daher fiel die Wahl auf verzinktes Stahleisen (unverzinkt ist aber ausreichend), die ich in einer Schlosserei gegen eine kleine Spende erhielt. Wer etwas mehr spenden möchte kann sich hier auch gleich die notwendigen Löcher bohren und Gewinde schneiden lassen, da sauberes senkrechtes bohren und schneiden Erfahrung und Fingerfertigkeit erfordert. Wer jedoch selber bohren und schneiden möchte, dem empfehle ich die Verwendung des Universalhelfers WD40 als Schmier und Kühlmittel. Da meine Backen 35mm hoch waren, bohrte ich bis circa zur Hälfte ein.

Bei allen Konstruktionen selbstgemachter Biegegeräte besteht das Problem den richtigen Abstand der Lager zu finden. Ist er zu groß, werden die Gleisenden nicht sauber oder gar nicht gebogen. Bleibt er zu klein, ist kein Biegen möglich oder wird unnötig erschwert.
Aus den Erfahrungen meines Freundes habe ich dann ein Maß genommen, von dem ich theoretisch glaubte, das es gut sei (daher die Schrauben in meiner Konstruktion). In der Praxis stellte sich dann aber heraus, das bei diesem Abstand keine Biegung möglich ist. Er riet mir zu dem jetzt verwendeten Maß, das ich leicht unterschritt, sich aber letztlich als sehr gut brauchbar erwies. Mit diesem Wissen begab ich mich an ein erstes Musterstück.

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Auch aus 300er Geraden kann man Kurven formen. Allerdings muss dann das untere Profil gekürzt und eine Schwelle entfernt werden, da bei Kurven das äußere Profil länger als das innere ist.

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Dieser Lagerabstand ist zu gering, da das untere Lager gegen die oberen gedrückt und das Profil dadurch nur festgeklemmt aber nicht gebogen wird.


Um erfolgreich und sauber zu biegen ist es wichtig, eine Auflagefläche zu haben. Die Anfangs von mir verwendete Aluminiumauflage hat sich nicht bewährt. Daher hab ich ein Buchenholzstück angeschraubt, das aus einem Kinderbaukasten stammte. Sollten längere Profile (über 60 cm) gebogen werden ist ein Arbeitstisch empfehlenswert, auf dem die Profile aufliegen, da sie sich sonst durch die Länge verwinden können. Außerdem habe ich die kleineren M6-Standardlager (17mm Ø) gegen solche mit größerem Außendurchmesser (22mm Ø) ausgetauscht. Das hat das Biegen deutlich erleichtert. Unter die Lager sollte eine Unterlegscheibe gelegt werden, damit der Profilfuß sauber gleiten kann und sich beim biegen nicht verdreht. Das passiert leicht, wenn der Druck auf das Profil zu niedrig ist. Bei ausreichendem Druck ist die Gefahr des Verdrehens eher gering.


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Die im Durchmesser kleineren Lager wurden gegen größere ausgetauscht und der Abstand der Lager angepasst. Zu sehen ist auch, wie schwierig es selbst bei idealer Vorarbeit ist exakt aus der Hand senkrecht zu bohren.

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Für alle Biegearbeiten ist eine sichere Befestigung wichtig. Die 2mm starke Aluminiumplatte dient als Auflagefläche; die Lager sind handfest angezogen.

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Die Unterlegscheibe dient dazu, den Profilfuss unter das Lager hinweg gleiten zu lassen.

Die richtige Einstellung des Druckpunktes zu finden ist nicht einfach, da die Profile zwar gleich aussehen, sich aber sehr unterschiedlich verhalten. Es ist daher nach meiner Erfahrung nicht empfehlenswert, alle Profile mit identischem Druck durchzuziehen. Das mag zwar schnell gehen, führt aber oftmals dazu, das entweder die Profilenden nicht sauber gebogen oder das Bogenmass nicht korrekt wird. Bewährt hat sich bei mir auch, die Profile beim biegen nicht aus den Lagern gleiten zu lassen, sondern nur bis zu dem Punkt zu schieben, das sie gerade noch so eben von den Lagern gehalten und sie mit der gleichen oder einer veränderten Einstellung auch wieder zurückgeschoben werden können. Leichte Differenzen können dann am Referenzgleis sehr gut von Hand korrigiert werden. Meistens reichten zwischen zwei und vier Durchgänge, bis das Profil das beinahe perfekte Bogenmass hatte.

Als Referenzgleis diente mir ein original R2-Schwellenbett. Dabei sollte das zu biegende Innenprofil an die inneren, das zu biegende Außenprofil an die äußeren Gleishalter angelegt werden und sich das umgebogene Profil an alle Halter möglichst perfekt anlegen. Da die Schwellenbetten nicht immer identisch sind und es damit zu Abweichungen in den Maßen kommen kann, sollte immer das gleiche Referenzgleis genommen werden. Einhundertprozentig exakt wird das Ergebnis aus unterschiedlichen Gründen nicht werden können. Aber je genauer gebogen wird, desto akzeptabler wird das Ergebnis.

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Nach einigen Versuchen wurde die Konstruktion nochmals modifiziert. Als Auflagefläche dient nun ein Holzstück. Dadurch konnten Nachteile aus der Befestigung der Aluminiumplatte (Reduzierung der Unterlegscheiben auf der Festlagerseite von drei auf eine) korrigiert werden.


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Das umgebogene Gleis sollte möglichst perfekt allen Gleishaltern des Referenzgleises anliegen.

Für das „neue“ Gleis sollten sowohl die alten Schwellenbänder als auch Schienenverbinder wiederverwendet werden. Das hat im Prinzip auch gut funktioniert. Aber auch hier lag die Tücke im Detail:
Nur selten sind Gleisprofile untereinander identisch lang. Das innere Profil kann unverändert weiterverwendet werden; Toleranzen in der Profillänge sind hier unproblematisch. Das äußere Profil muss jedoch meistens in der Länge angepasst werden. Da ich die alten Schienenverbinder soweit möglich wiederverwendet habe, hat sich ein Überstand am Ende des Schwellenbettes zwischen 10 und 12 mm bewährt. Bei Verwendung von Schraubverbindern muss die Länge des äußeren Bogens individuell ermittelt werden. Mit einem Körner oder Stahlnagel lassen sich die Verbinder gut wieder fixieren. Kleinere Lücken zwischen den Gleisen lassen sich kaum vermeiden, sollten aber ein bis eineinhalb Millimeter nicht überschreiten, was trotz unterschiedlich langer Schwellenbänder auch gut gelang.

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Inneres und äußeres Profil sind untereinander nicht immer identisch und haben Herstellungstoleranzen. Bei R1 ist die innere circa 300, die äußere ca 314mm lang.

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Das Schwellenbett sollte am äusseren Profil (ich habe es nach der dritten Schwelle gemacht) schräg eingeschnitten werden. Das ist wegen des veränderten Bogenmasses notwendig. Schräg bietet gegenüber Gerade den Vorteil einer erhöhten Festigkeit.


Fazit

Insgesamt betrachtet war zwar die Zeitspanne bis zum ersten selbstgemachten Gleis gross und wäre mit einem Gleisbiegegerät sicher schneller gegangen. Aber die Erfahrungen in Konstruktion und dem Material hätte ich anders nicht gewinnen können. Und macht es am Ende wirklich Sinn ein paar hundert Euros für ein paar zu biegende „Spielgleise“ auszugeben ? Und fraglich bleibt ebenso, welche Überraschungen mich mit dem Gleisbiegegerät erwartet hätten, denn Tücken liegen bekanntlich im Detail. Aber jedes Biegesystem hat seine individuellen Vor- und Nachteile, die jeder für sich abwägen muss.
Perfekt ist auch diese Konstruktion nicht und wird bei den nächsten Biegeversuchen vermutlich auch noch einmal geändert oder verbessert werden. Sie hat aber den unschlagbaren Vorteil, das ich den Schraubstock auch wieder zum einspannen von Werkstücken verwenden kann. Damit liegt er nicht über Monate oder Jahre hinweg nutzlos herum, staubt ein und nimmt Platz weg.


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Für den umgebogenen Kreis R2‘ wurden 15 Kurven R1 und ein halbes Ausgleichsstück R1 verwendet. In der Praxis wird man wohl nicht den Anspruch haben, einen Kreis legen zu wollen. Aber der Kreis ist der Hardcore Test und zeigt ob im Rahmen der Möglichkeiten präzise gearbeitet wurde. Damit sieht man, ob der vorgesehene Gleismittenabstand von 165 mm als Parallelkreis eingehalten und zwei Züge berührungsfrei verkehren können.
(Nachsatz: Da mir die Lücken später doch noch zu groß waren, habe ich die Profile wieder auseinandergenommen, besser auf den Überstand geachtet und wieder zusammengesetzt.)




Links
(Stand September 2017)

http://www.gartenbahn.holger-gatz.de/ht ... gerat.html

gartenbahn-anlagenbau-gleisbau-f4/gleise-biegen-mit-welchem-geraet-t3427.html

http://depot-3e.xobor.de/t1f6-Guenstige ... iegen.html

https://www.youtube.com/watch?v=ETGmAGlmpzY
(SpurG-Blog über das Gleisbiegegerät von Massoth)

https://www.stummiforum.de/viewtopic.php?t=128711

http://atw.huebsch.at/Anlagen/Gartenbahn.htm
Zuletzt geändert von linienbussi am 10.09.2017, 09:40, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Umbiegung von R1 Gleisen zu R2'

Beitragvon Trams » 02.09.2017, 21:51

Moin,
Schön dokumentiert, wie Du mit Deinem Selbstbaugerät Gleisprofile biegst.
Ich habe seit über 15 Jahren das Gleisbiegegerät von Flück, auf diese Zeitspanne gesehen und die bislang gebogene Gleismenge hat sich Anschaffung trotz des Preises gelohnt, vor allem, weil ich auch ein fertig im Schwellenbett eingezogenes Gleis im Gelände noch fein nachjustieren kann.

Schöne Grüße
Trams

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Re: Umbiegung von R1 Gleisen zu R2'

Beitragvon linienbussi » 03.09.2017, 06:54

Hallo

das ist der Biegeschlitten der Schweizer Firma TrainLi, eine Alternative zu dem Gerät von Massoth. Allerdings kommt bei Lieferung noch die Einfuhrumsatzsteuer (Zoll) hinzu, sofern man direkt bei ihnen bestellt.

https://www.train.li/trainli-produkte-s ... schlitten/

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Re: Umbiegung von R1 Gleisen zu R2'

Beitragvon sberndschemir » 03.09.2017, 09:19

GuMo,
ein Eigenbau bringt natürlich immer etwas für den eigenen Erfahrungsschatz. Je nach Anlagengröße und/oder Aushilfe bei Freunden lohnt sich auch ein Kauf.
Alternativ gibt es noch die Möglichkeit des Leihens z.B. Bertram Heyn für 15€/Woche.

LG,Bernd
Viele Grüße aus der sonnigen Pfalz senden Bernd und Famillie,

Trams
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Re: Umbiegung von R1 Gleisen zu R2'

Beitragvon Trams » 03.09.2017, 13:38

linienbussi hat geschrieben:Hallo

das ist der Biegeschlitten der Schweizer Firma TrainLi, eine Alternative zu dem Gerät von Massoth. Allerdings kommt bei Lieferung noch die Einfuhrumsatzsteuer (Zoll) hinzu, sofern man direkt bei ihnen bestellt.

https://www.train.li/trainli-produkte-s ... schlitten/

Moin linienbussi,
leider liegst Du hier etwas falsch. Ich habe mir das Gleisbiegegerät damals in der gräflich Bülowschen Mühle bei Dresden auf einem Gartenbahntreffen gekauft, übrigens vom Gartenbahn-Team und nicht von train.li.
Das train.li aktuell das Nachfolgemodell vertreibt, ist zwar korrekt, aber dieses Nachfolgemodell habe ich nicht. Also bitte etwas korrekter mit Deinen Aussagen zu meiner Ausstattung !

Schöne Grüße
Trams


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